Chronik der

ehem. Fernmeldekompanie 946

 

 

35 Jahre ELOKA auf dem "Großen Kornberg"

Im Jahre 1959 macht der Berg erste Bekanntschaft mit der noch jungen Bundeswehr. Ein erster Erkundungstrupp erprobt Aufbauplätze für Aufklärungsübungen.

 

Im Frühjahr 1960 wird ein erster mobiler und feldmäßiger Einsatz am „Großen Kornberg“ gefahren. Die Soldaten des Fernmeldebattaillons 220 aus Ansbach-Katterbach hatten festgestellt, dass sich der über 800 m hohe nördlichste Gipfel des Fichtelgebirges gut für ihre Zwecke eignet. Im September 1962 wird ein großer Herbsteinsatz durchgeführt. Die Truppe ist mobil und zeitweise mit bis zu 100 Soldaten feldmäßig auf dem Berg eingesetzt.

    Martinlamitz

Unterkunftsbaracken in Martinlamitz: Untere Baracke Küche mit Aufenthaltsraum, obere die Schlafräume.

Bild von: Waldemar Merhäuser; ehemals 2./FmBtl.220 Katterbach

 

Im Jahre 1963 werden die mobilen Trupps ortsfest und führen den Betrieb aus zwei Aufklärungsbaracken aus durch. Antennenmasten werden aufgebaut. Die Soldaten bekommen 1964 endlich eine feste Unterkunft:

-zwei Unterkunftsbaracken am Fuße des Kornbergs bei Martinlamitz werden bezogen und dienen fortan als „Camp“ der grenznahen Fernmelde-Außenstelle.

Diese Unterkunft reicht im Laufe der Jahre nicht mehr aus und platzt aus allen Nähten. Immer mehr Soldaten aus der heimatlichen 3. Kompanie – des inzwischen nach Donauwörth verlegten Battaillons – werden an die Grenze kommandiert. Damit nimmt auch der organisatorische und administrative Teil des Aufklärungsbetriebs immer größere Forman an.

Im September 1971 wird die Truppe kaserniert und bezieht feste Unterkünfte in der Bundeswehr-Kaserne (später General-Hüttner-Kaserne, jetzt Oberfranken-Kaserne) in Hof/Saale. Auch die infrastrukturellen und technischen Gegebenheiten des Kornbergs reichen nicht mehr aus. Deshalb verlegt man die Aufklärung zur „Hohen Saas“ bei Hof/Saale.

  

Elo-Aufklärung - Analyse                                               Elo-Aufklärung - Erfassung

 

FmAufkl-Erfassung UHF                                              FmAufkl-Erfassung VHF

 

Inzwischen waren seit 1968, wohl auch durch die damaligen, politischen Ereignisse bedingt, Planungen im Gange, eine feste Fernmeldestelle auf dem Großen Kornberg zu errichten.

Ein Gremium aus Finanz-, Verwaltungs-, Bau- und Elektronik ­Fachleuten wurde mit der Planung beauftragt.

Bereits während der Planungsphase erfährt die Öffentlichkeit von dem Vorhaben, dass der Kornberg mit einem Turm bestückt werden soll und Wellen von Protesten wogen auf:

"Ein Anschlag auf den letzten, freien Gipfel des Fichtelgebirges" soll verhindert werden.

Trotz der Widerstände wird am 3. Oktober 1973 mit einem feierlichen, ersten Spatenstich das Bauwerk auf dem Großen Kornberg begonnen. Ein Projekt größeren Ausmaßes, an dem nicht zuletzt das ortsansässige Handwerk beteiligt wird, nimmt seinen Anfang.

 

 

 

 

 

 

 
Anläßlich des Richtfestes am 10. September 1974 kann man Bilanz ziehen: In einer Rekordzeit von 12 Monaten wurden ca. 2500 Kubikmeter Beton und 300 Tonnen Stahl verarbeitet. Somit konnte der Innenausbau und die Installation der Elektronik beginnen, die jedoch eine wesentlich längere Zeit­spanne in Anspruch nahm.
 
An dieser Stelle sei der Oberfinanzdirektion Nürnberg, inbeson­dere dem Finanzbauamt Bayreuth mit den entsprechenden Fachleuten ein Lob für die präzise Bauplanung und Ausführung gezollt.
 
Nachdem der letzte Baukran abgezogen worden war, wurde es auch in den Reihen der Presse ruhiger: die Bevölkerung hatte sich mit dem "Spargel" abgefunden.
 
Indessen hatte in Hof die Femmeldekompanie 946 das Licht der Welt erblickt: Sie wurde im Herbst 1973 aus der Taufe gehoben.
Aus dem Stamm der ehemaligen Angehörigen des FmBtl 220 aus Donauwörth entstand eine organisatorisch selbständige Einheit. Am 14. Dezember 1973 übergab der damalige Kommandeur des Battaillons, Oberstleutnant von Criegern, dem ersten Kompaniechef, Hauptmann Wolfgang Reinke, das Kommando über die neue Kompanie, mit der Überzeugung, daß die Effektivität der Elektronischen Kampfführung durch die Aufstellung der Kompanie auf lange Sicht erheblich gestärkt wird.
 
Diese Prognose stellte sich in den darauffolgenden 20 Jahren als richtig heraus.
 
Am 26. Oktober 1976 wurde der erste von drei entsprechenden Fernmeldetürmen des Heeres an einem düsteren, nebligen Tag von Oberst Steinschauer, dem Kommandeur des FmStab94, der FmKp 946 übergeben, die seitdem den Turm auf dem Großer Kornberg betreibt.
Nachdem der Betrieb aufgenommen war, konnte man in der Planungsgruppe weiterführende Baurnaßnahmen in Angriff nehmen: die fortschreitende Technik erforderte die Errichtung einer neuen Antennenanlage, ein zweites Obergeschoß wurde konzipiert. Dieser wesentliche Bauabschnitt fand im Mai 1977 seinen Abschluß.
 
Anfang der 80-er Jahre hielt dann letztendlich auch mit der Anbindung an einen Datenfernverbund die Computer-Aera ihren Einzug in den Turm.
 
Durch den Einbau neuer, hochtechnisierter Anlagen war die Kp in der Lage, auf dem Gebiet der Nachrichtengewinnung durch Fm Elo Aufklärung der fortschreitenden Weiterentwicklung der Techniken Schritt zu halten.
 
Modernste automatische Such- und Empfangsanlagen, neukon­zipierte Auswerteplätze, schnelle Peil- und Ortungssysteme waren zur Erfüllung der Aufklärungsaufträge eingesetzt und ununterbrochen genutzt.
 
Am 25. Mai 1988 wurde das letzte, größere Bauprojekt auf dem Kornberg seiner Bestimmung übergeben: das in einer 3-jährigen Bauzeit erstellte Fernmelde-Instandsetzungs- und Sto V -Betriebsgebäude.

 


 

In den 80-er Jahren waren die zahlreichen, technischen Neuerungen für die Soldaten und Zivilbediensteten eine große Herausforderung, die durch starkes Engagement und Einsatz­bereitschaft vorbildlich gemeistert wurde. Die in der Kp erbrach­ten, wertvollen Aufklärungsergebnisse wurden nicht nur durch vorgesetzte Dienststellen anerkennend gewürdigt, unsere Kp hat zwei Jahrzehnte pflichtbewußt und erfolgreich gearbeitet. 
 
Wir wissen, daß wir mit unseren Leistungen Anteil an den Ver­änderungen in Deutschland und Europa haben. Letztendlich waren wir wohl auch, wenn auch in bescheidenem Maße, an den Veränderungen der Beziehungen der seit vielen Jahren gegnerischen Lager beteiligt.
 
Die Angehörigen der FmKp 946 haben viele Jahre mit Können und Engagement in ihrer eigentlichen Zweckbestimmung auf ein Ziel hingearbeitet:
 
Die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit!
 
"Sie haben ihren Auftrag erfüllt, sie haben ihr Ziel erreicht - Sie haben somit hier in Hof keine Aufgabe mehr, ihre Kompanie wird aufgelöst - Sie werden versetzt."
 
"Der Abzug der Streitkräfte der UdSSR / GUS-Staaten aus dem westlichen Vorfeld und die mittlerweile gutnachbarschaft­lichen Beziehungen zur Tschechischen Republik lassen keine weitere Fm Elo Aufklärung aus der FmSteIle Großer Kornberg zu."
 
Wir sind stolz auf unsere erbrachte Leistung, wir leben selbst­bewußt in unserem wiedervereinten Deutschland, das durch unsere Mithilfe entstanden ist.
 
Wir gehen mit Tatkraft, aber wehmütig, unsere folgenden Ver­wendungen an und wir hoffen, nie in gewaltsamer Auseinander­setzung unser Können und unsere Leistungsfähigkeit beweisen zu müssen.

 

      -entnommen aus der Festschrift "20 Jahre Fernmeldekompanie 946" kurz vor der Auflösung

 

Hinweis an unsere ehemaligen Kompanieangehörigen:

Es gibt nun eine Chronik der FmKp 946, welche der Kamerad Dieter Jenke dankenswerterweise erstellt hat. Diese besteht aus zwei Multimedia-Daten-DVDs, nur anzuschauen auf dem PC, mit Fotos als JPG-Dateien, Dokumenten im PDF-Format, Filmen/Videos als WMV-Dateien und Tondokumenten im MP3-Format. Teil1 der Chronik umfasst die Jahre der Kompanie,aufgeteilt auf die Standorte Hof und Kötzting,von 1969 als GFmAst bis 1996 mit Nach- und Abbaukommando in jährlicher chronologischer Reihenfolge mit allen Ereignissen,die stattfanden, ergänzt durch Dokumente wie Aufstellungsbefehl der Kp, Gästebuch usw. Teil 2 der Chronik beinhaltet die Aufklärungsziele der Kp, Aus- und Fortbildung wie Hürth,Feldafing etc,...

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